Zum Inhalt springen

Am Hungertuch nähen

Von der alten Tradition inspiriert: meditatives Sticken oder stitch and pray.
Ich beginne im lockdown Januar 21, ein Altartuch für unsere Kirche zu gestalten.
Hier könnt Ihr dies Projekt und seine Fortschritte mitverfolgen.

Wie es begann: Wir bekamen ein Stück Leinen geschenkt.
Es ist viele Jahre in Gebrauch gewesen, wohl als Tafeldecke.
Es ist wunderschön gewoben und recht fadenscheinig.
Ich fand es ideal.

Hungertuch Tag 0 a

Das Tuch ist liebevoll aus zwei Teilen zusammengenäht.
Das erinnert mich an unsere Bibel, die aus zwei Teilen besteht.


Hungertuch Tag 0

Die ersten Stiche sind ein Wagnis. Ankerkreuz
Ich habe sticken nie richtig gelernt.
Trotzdem entsteht  Stich für Stich
mit unauffälligem Garn
ein Ankerkreuz:
Glaube, Hoffnung, Liebe.

blühendes Kraut

und ein Kraut
mit roten Blüten oder Früchten:
rot wie die Liebe,
rot wie Blut,
grün, wie die Hoffnung
und das Leben –

und ebenso ungleichmäßig

durch die Löcher scheint die Sonne

„Durch die Löcher strahlt die Sonne“, so nenne ich meine Stickversuche des zweiten Abends.
Das Ausgefranste und Fadenscheinige ermöglicht Glanz und auch so was wie Schönheit –
das lerne ich von der japanischen Boro und Sashiko Stickerei, die eigentlich eher Flicken oder Stopfen ist.

mein Konfirmationsspruch

Mein Konfirmationsspruch – in Krickelstichschrift nachbuchstabiert.
eine meditative Geduldsprobe

Erdenkreis 1

Die Stickerei des heutigen Tages (Samstag, der 23. Januar) nenne ich:
Der Erdenkreis in den ersten Tagen der Schöpfung.

Schatzkiste

Das Hungertuch
hat in einer
„Schatzkiste“
seinen Platz gefunden.

Wasser
oder sind es Luftblasen im Wasser?

Wasser und Luft –
Elemente des Lebens von Anbeginn an.
Wir haben heute über die Taufe gepredigt.

Wasser 1

DSC01421

Aus dem Wasser entsteht das Leben.

Die Quelle des lebendigen Wassers – Gott wird uns daraus geben.

Feldlilien

„Seht die Lilien auf dem Felde“  sagte Jesus und lehrt uns zu leben in der Gegenwart  – zu blühen ohne Angst, geborgen in der Schönheit, die Gott noch der kleinsten Blüte schenkt.
26. Januar – in Nieder-Moos ist verschneit, am Rhein blühen schon die Winterlinge!

brennender Dornbusch 2

Gott spricht:“ Ist mein Wort nicht wie ein Feuer?“ lese ich in der Losung.
Ich denke nicht an vernichtendes Feuer, sondern an das Feuer des brennenden Dornbusches.
Er brennt, verbrennt aber nichts. Und Gott offenbart sich aus dem Feuer mit seinem Namen:
Ich bin, der Ich bin, und Ich war, der Ich war, und Ich werde sein, der Ich sein werde.
So bin ich euer Retter.
Welch Weite zwischen Leidenschaft und Ewigkeit, Stacheln und Fürsorge, Geheimnis und Offenbarung.
Mit 1000 Stichen haben ich darüber meditiert und es bleibt geheimnisvoll und wunderbar.

Garten Variation 1

Der Garten
ist mein Thema
in diesen Tagen,
obwohl meiner ganz und gar
unter dem Schnee
verborgen ist.
Garten ist mein Thema,
weil der Garten
Symbol für das Paradies ist –
verborgen zu dieser Zeit.

Wie sieht der Paradiesgarten aus? geordnet?
jedes Kraut an seinem Platz?

oder zur Mitte hin wachsend?

Gartenvariation 2

Gartenv3

Kosmos

Vielleicht denkst du auch an die wunderschönen Buchmalereien des heiligen Buchs von Kells,
wenn du meine gestickte Naturskizze siehst?
Den Film „Book of Kells“ möchte ich mal wieder sehen und darin das große Glaubensbekenntnis:
Gott hat die Welt wunderbar gemacht!
Daran festzuhalten ist gut und lebenswichtig -gerade in Krise oder Katastrophe, gerade im Leiden.

Schöpfungskreis

Schöpfung

Urknall

Der Urknall – oder am Ende ein Knall – und alles Alte vergeht?
Wenn Gott etwas zu Ende gehen lässt – und sei es mit einem Knall –
wird das trotzdem der Beginn eines neuen Lebens sein,
sprühende Energie, die nicht verloren geht, sondern Leben schafft. Das glaube ich.

Sterne

„ein ganz kleiner Ausschnitt aus der unendlichen Zahl der Sterne am Himmel „
wir sind wahrlich „sternenüberprächtigt“
Ich danke Gott dafür, und dieses Bild ist heute Teil meines Gotteslobs.

Der Traum vom Tempelbau

Der Traum von einem Tempel – hier noch ein ganz zarter Plan
Die Bibel erzählt, dass man irgendwann begann, davon zu träumen, einen Tempel zu bauen für Gottes Gegenwart.
Einen Ort zu haben, wo wir beten können, einen heiligen Ort, weil wir uns dort Gott besonders nahe wissen, ein Haus Gottes, ein Gebäude für unsere Gottesdienste, einen Zufluchtsort, einen heiligen Raum für unser gemeinsames Gotteslob.
Es wird erzählt, dass dieser Traum von König Salomo und vielen HandwerkerInnen, KünstlerInnen, BaumeisterInnen, ArbeiterInnen ausgeführt wurde.
Ich bin dankbar für alle, die davon träumten, Gott ein Haus zu bauen.
Ich bin dankbar für alle, die diesen Traum umgesetzt haben.
Ich bin danbar für unsere Kirchen.

Klagemauer

Die Klagemauer
Eine Mauer, das ist das, was vom Tempel in Jerusalem noch übrig ist. An dieser Mauer wird gebetet. In die Mauerritzen werden hunderte und tausende von Gebetszettel mit Fürbitten, Bitten, Klage und Dank gesteckt.
Es war sehr bewegend, als ich vor Jahren dort stand und betete und auch so einen Gebetszettel in die Mauer steckte.
Jetzt habe ich viele Stiche gemacht und daran zurückgedacht.
stitch and pray

himmlisches Jerusalem

Vom himmlisches Jerusalem, der Stadt aus Licht und Edelsteinen,
die in der Ewigkeit bereit ist für uns,
in der Gott selbst bei den Seinen wohnt und alles wunderbar sein wird,
kein Leid, alle Tränen getrocknet…
davon erzählt die Offenbarung – und mein Stickbild.

Die Tore sind offen und das Licht strömt heraus.
Alle sind eingeladen zu kommen und geborgen zu sein.

12 Tore hat die Stadt, drei im Norden, drei im Süden, drei im Osten, drei im Westen.
Zu jedem gehört ein Edelstein: Jaspis, Beryll, Amethyst, Saphir, Chalcedon, Smaragd, Sardonix, Sarder, Chrysolith, Topas, Chrysopas, Hyazinth.

himmlisches Jerusalem gesamt

 

HL

Eine Himmelsleiter erschien Jakob im Traum, davon erzählt die Bibel.
Auf ihr stiegen Engel herab zur Erde und wieder herauf zu Gott,
der dem schlafenden Jakob, der in einer schweren Krise war,
seinen Beistand versprach.
Diese Himmelsleiter wollte ich sticken; wußte aber nicht recht wie.
Darum habe ich erst einmal Licht gestickt,
in all die Löcher und fadenscheinigen Stellen am Rand des Tuchs.
Und nun denke ich: Das ist ja die Himmelsleiter, die leuchtet, weil Engel sie nutzten, oder?

 

Sturmstillung

Das Losungswort des heutigen Tages erinnert an das Boot im Sturm und die Angst der Jünger.
Sie verstehen nicht, wie Jesu so ruhig schlafen kann und rütteln ihn wach:
„Herr, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?“
Jesus rettet alle, die an Bord sind.
Er stillt den Sturm
und fragt: „Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben.“

Möge unser Vertrauen in dieser Krise stark bleiben und die Panik vertrieben werden.

„Rüm Hart, klaar Kiming!“ wünsche ich uns allen.

 

 

<span>%d</span> Bloggern gefällt das: